Ostdeutschland. Ein leerstehendes Industriegebäude, Zeitspeicher seit 1895. Die altenRoutinen der Belegschaft sind für tot erklärt, alle Zeitfenster geschlossen. Entsprechend ihrer charakteristischen Arbeitsweise nutzt Flake diese unbesetzten Räume, um Zeit-Raum-Gefügezu schaffen, in denen physikalische Gesetze keine Rolle mehr spielen und die Zweckfreiheit regiert. Mithilfe einer Plattenkamera überträgt sie ihre temporären Installationen dann auf die Fläche des fotografischen Bildes. Dafür kreist die Fotografin ihr Motiv nicht ein, um es„einzufangen“. Sie begibt sich in die stillgelegten Räume hinein, um die vorgefundenen Gegenstände aus ihren ehemaligen Funktionszusammenhängen zu befreien.
Sie harren dort seit unbestimmter Zeit: Arbeiterhosen, Stiefel, Bürsten, Tische, Ölkannen, Bodenleisten, Papiertüten, Formen. Kerstin Flake sucht nach Resonanzen, die die Räume in Schwingung bringen und die Kluft zwischen den Zeiten überbrücken. Welche Potenziale verbergen sich im herumliegenden Material, wohin wollen die vielen Gussformen? Flakemacht Bestandsaufnahmen, sammelt, arrangiert, installiert, kombiniert, lässt die Relikte der Vergangenheit in gefakten Stills schließlich schweben, aufmarschieren, einen vibrierenden Twist tanzen. Fotografiert.